Angebote für Jugendliche gibt es manche. Unterstützung bei der Umsetzung eigener Ideen von jungen Menschen ab 14 Jahren ist allenfalls die Ausnahme. Die Abenteuerkiste geht genau diesen Weg: Die Jugendlichen sollen ihre eigenen Vorstellun-gen und Ideen entwickeln und gemeinsame Freizeitz selbst gestalten. „Mit dem Konzept ,Deine Idee – Dein Projekt – Dein Kesselhaus“ ist die Abenteuerkiste eines von zehn Starterprojekten des Ehrenamtswettbewerbs WestfalenBeweger 2018/19.
„Hier werden die traditionellen Angebotsstrukturen der klassischen pädagogischen Jugendarbeit bewusst verlassen. Die Lebenswelt der Betroffenen rückt auf unmittelbare Weise in den Mittel-punkt. Denn sie sind die besten Experten in eigener Sache und kommen aus einer Konsumenten- in eine Gestalterrolle“, lobt Dr. Karl-Heinrich Sümmermann, Vorstandsvorsitzender der ausrichten-den Stiftung Westfalen-Initiative den Ansatz. Er erläutert damit zugleich die Entscheidung der Jury, die das Vorhaben aus gut 60 Bewerbungen ausgewählt hat.
Der knapp 20 Jahre bestehende Verein Abenteuerkiste setzt mit seinen 120 Mitgliedern auf Inno-vation, Partizipation, Bildung, Vernetzung und Bedarfsorientierung, erläutert Vorstandsvorsitzender Sven Thiele. „Wir verschaffen Jugendlichen Raum – und das unter drei Aspekten: Erstens Raum zur Entfaltung eigener Vorstellungen, wie ihr Umfeld gestaltet sein soll. Zweitens Raum und Unter-stützung zur Umsetzung der Ideen durch ein Tutorenprogramm. Und drittens die Immobilie Kes-selhaus als Raum zur Begegnung, für persönliche Treffen in offenen Treffs und Workshops sowie zur Verwirklichung von Projekten“, skizziert Thiele den umfassenden Ansatz. Koordiniert werden die Prozesse von einer pädagogischen Fachkraft.
„Das ermöglicht wahre Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Die Jugendlichen werden ernst ge-nommen und bei der Entwicklung und Umsetzung ihrer Ideen ohne inhaltliche Einflussnahme be-gleitet und im Bedarfsfall auch unterstützt. Das beeinflusst das Erscheinungsbild und soziale Mitei-nander in der Stadt“, verweist Christian Tophoff, Regionaldirektor aus der Grevener Hauptstelle der Kreissparkasse Steinfurt, auf spürbare Auswirkungen des Konzeptes. Er erklärt damit zugleich, warum das Geldinstitut sofort bereit war, das Projekt ebenfalls finanziell zu fördern.
Auch die Verantwortlichen im Rathaus freuen sich über die Aktivitäten: „Die Stadt ist stolz, dass die Abenteuerkiste mit dem Konzept neue Wege geht und das Kesselhaus belebt. Jugendliche als Experten in eigener Sache zu motivieren, sich für die Umsetzung von Projektideen einzusetzen, ergänzt sehr gut vorhandene Angebote von Jugendarbeit in Greven. Das Projekt ist zurecht als Leuchtturmprojekt ausgewählt worden, weil Jugendliche zeigen, dass sie sich bewegen, andere bewegen und dass alles viel Spaß macht. Das verdient Lob und Unterstützung für die Jugendli-chen aber auch für den Träger“ sagt Jugendamtsleiterin Beate Tenhaken.
Die Initiatoren der Abenteuerkiste haben sich viel vorgenommen. Sie wollen Tutoren qualifizieren, einen monatlichen Stammtisch etablieren, auf digitalen Kanälen wie Instagram und Facebook pub-lizieren und erste Projekte realisieren. Damit erfüllt „Deine Idee – Dein Projekt – Dein Kesselhaus“ exemplarisch den neuen Modus des Wettbewerbs „WestfalenBeweger“, der nun zum sechsten Mal ausgetragen wird. Während es in der Vergangenheit Förderpreise für erstklassige, bereits praxis-erprobte Projekte gab, werden nun im Sinne eines „Qualifizierungsstipendiums“ zehn tolle neue Ideen auf den Weg gebracht und mit einem Startgeld von jeweils 2.000 Euro ins Wettbewerbsjahr geschickt. Es geht also zunächst um Konzepte, mit denen Vereine, Verbände und Initiativen ihr bürgerschaftliches Engagement weiterentwickeln möchten. Die Westfalen-Initiative begleitet und unterstützt die ausgewählten Bewerber bei der Umsetzung ihrer neuen Ideen. Für die Realisierung des Konzeptes ist ein knappes Jahr Zeit. Dann vergibt die Jury in einer zweiten Wettbewerbsstufe weitere 15.000 Euro an die Preisträger, die während einer Feier ausgezeichnet werden.
Der Wettbewerb würdigt damit weiterhin beispielhafte ehrenamtliche Projekte. Er richtet sich dazu an Gruppen in Westfalen, die in nachahmenswerter Weise die Gestaltung der Zukunft selbst in die Hand nehmen und nicht allein auf staatliche oder bereits institutionalisierte Hilfe bauen. Die Tätigkeit kann alle Bereiche umfassen, von der Flüchtlingshilfe, dem Einsatz für Menschen mit Handi-caps bis zu Kultur, Sport und Denkmalpflege. Im Unterschied zu anderen Wettbewerben fördert „WestfalenBeweger“ nicht nur gute Ideen und Projekte, sondern stärkt die Strukturen der Initiati-ven: Die Bewerber können an Workshops und Vernetzungstreffen zum Beispiel zu den Themen Fundraising sowie Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit teilnehmen. Die Engagierten werden durch kollegiale Beratung vernetzt und auf Augenhöhe beraten durch erfahrene Vereine und Initia-tiven. Seit 2013 wurde bürgerschaftliches Engagement in 57 Projekten mit einem Gesamtbetrag in Höhe von 280.000 Euro ausgezeichnet. Die Westfalen-Initiative und ihre Partner honorieren und unterstützen damit ganz maßgeblich den ehrenamtlichen Einsatz von Bürgern in der Region.